„Wenn sich der Föhn erhebt aus seinen Schlünden …“
„Wenn sich der Föhn erhebt aus seinen Schlünden …“, legte Friedrich Schiller seinem Wilhelm Tell in den Mund1. Der Einfluß des Wetters fand schon relativ früh über diesen Autor seinen Weg zu den Figuren. An anderer Stelle heißt es im ersten Aufzug des Stückes: „Der Föhn ist los!“, schreit Ruodi und weigert sich, ins Boot zu steigen. Seit diesen frühen Zeiten hat sich in erkenntnistheoretischer Hinsicht viel getan. Inzwischen ist diese bisweilen mythische Wettererscheinung in seiner Phänomenologie vermeintlich grundlegend erforscht, man weiß alles über die strömungsphysikalischen Eigenschaften, den feucht-adiabatischen Aufstieg an der österreichisch, schweizer oder italienischen Luv-Seite der Alpen; den trocken-adiabatischen Abstieg an der Lee-Seite der Alpen währenddessen sich die Luft wie von Zauberhand von selbst erwärmt und gleich einem Blasebalg durch die Ohren der Voralpenländler gepustet wird.
Weniger erforscht hingegen sind die physiologischen Auswirkungen auf den Organismus und die Tatsache, ob eine Föhnfühligkeit unter Wetter-fühligkeit und/oder -empfindlichkeit subsumiert, falls überhaupt. Einige Forscher sehen eine Kausalität zwischen bestimmten physiologischen Symptomen, andere verorten eine Wetterfühligkeit/-empfindlichkeit grundsätzlich in der Esoterik; einige Hardcore-Wissenschaftler sehen darin bestenfalls eine zeitgenössische Ausprägung der Hysterie wie die Neurasthenie während des Fin de siècle. Sich als vom Föhn Betroffener gesellschaftlich zu outen ist, als litte man unter einer meldepflichtigen Geschlechtskrankheit.
Meine frühkindlichen Erinnerungen an den Föhn begannen mit einem Skiurlaub in Garmisch. Ich war etwa fünf oder sechs Jahre alt und wir wohnten damals noch nicht in Bayern. An die Nächte erinnere ich mich als in einer schlaflosen Angeregtheit wälzend, als schlüge jemand meine Nerven an wie eine Harfe, und dieser Jemand, das wußte ich mit dem untrüglichen Instinkt eines verunsichert-genervten Kindes, konnte nur aus den Bergen kommen. Nach dem Urlaub hatte ich für ein paar Jahre Ruhe davor, bis wir endgültig nach Bayern gezogen sind, wo der bizarre Wunsch nach einem am liebsten lebenslang anhaltenden Regentief aus dieser ganzen Föhngeschichte nach und nach erwuchs.
Seit 200 Jahren erforscht man den Föhn und seine Auswirkungen auf den Menschen – bis hin zur neuesten Doktorarbeit über den Münchner Geisterwind aus dem Jahr 2006 von Stefan Gubser an der Universität Bern über die „Wechselwirkung zwischen Föhn und planetarer Grenzschicht“. Er segelte mit einem Messflugzeuge durch heftigste Föhnstürme und kam zur Erkenntnis, „dass es nicht nur den einen einzigen typischen Föhn gibt“, sondern auch einen „Dimmerföhn“, „seichten Föhn“ und „hochreichenden Föhn“.2

Einig sind sich die Wissenschaftler nur darin, dass sie sich uneinig sind im Umfang über die diversen Föhntheorien, zum Beispiel, ob der Föhn ein Fallwind sei oder durch Höhenströmungen entsteht. Kein Zweifel aber besteht darin, dass es tatsächlich in der Gruppe der Föhnempfindsamen die „Vorföhner“, Hauptföhner“ und „Nachföhner“ gibt und dass der Föhn heftige Auswirkungen auf den menschlichen Organismus hat: Von fibrillären Muskelzuckungen über Herzflirren, Ohrensausen und Sodbrennen bis hin zu „gesteigerter geschlechtlicher Begierde mit verfrühter Samenentleerung“ – über die „Föhnkrankheit“ (morbus ventus favoni) gibt es genausoviele wissenschaftliche Abhandlungen wie über die metereologischen und geophysischen Föhn-Phänomene.
Georg Trakl rekurriert in seinen Werken öfter auf den Föhn. In dem Gedicht „Vorstadt im Föhn“ heißt es,
Und ein Kanal speit plötzlich feistes Blut
Vom Schlachthaus in den stillen Fluß hinunter.
Die Föhne färben karge Stauden bunter,
Und langsam kriecht die Röte durch die Flut.
Man glaubt zu fühlen wie der Föhn Trakls synästhetisches Empfinden befeuert und in dem, glaube ich, später veröffentlichtem Gedicht „Föhn“ wird es zum Schluß hin noch etwas existenzieller
Dieser schweigenden Trauer;
Nächte, erfüllt von Tränen, feurigen Engeln.
Silbern zerschellt an kahler Mauer ein kindlich Gerippe.
Hier geht es nicht mehr nur um barometrisch gefärbte Außeneindrücke, hier spricht eine durch langjährigen Föhneinfluß gemarterte Psyche, die sich retrospektiv lieber dem Kindstod anheim geworfen hätte als dorthin zu gelangen, wo sie jetzt steht.3 Doch es soll nicht ausschließlich um den Einfluß auf die Literatur gehen, diese liegt mir naturgemäß am nächsten, doch handelt es sich um ein, wie ich finde, eindrucksvolles Beispiel, mit welcher unablässigen Penetranz der Föhn sich mittlerweile in den Kanon unserer Zivilisation geblasen hat.4
Wissenschaftlich sieht die Sache weniger eindeutig aus. Das Phänomen Föhn forderte in den 80er Jahren den Münchner Meteorologen und Physiker Dr. Karl Dirrnagl heraus, endlich die messbaren Ursachen der „Föhnkrankheit5“ an der Technischen Universität zu erforschen, indem er in der Arcisstraße eine „Föhnkammer“ baute, darin „künstlichen Föhn“ erzeugte und bei 1700 Studenten die Föhnsymptome registrierte.6 Sind es Luftdruckschwankungen oder Veränderungen des elektrischen Feldes über dem Erdboden, die den Organismus stören? Oder Schwankungen der Ionenkonzentration in der Luft? Auch der genau arbeitende Gelehrte Dirrnagl war am Ende des „Münchner Föhnprojektes“ so schlau wie zuvor: „Nix g’wiß“ weiß man immer noch nicht …
Der Föhnsensible steht sich nach derzeitigem Stand der Forschung außerhalb der Wissenschaft und wird oft in die esoterische Ecke gestellt („Stell dich doch nicht so an!“) wo er sich seine Reputation mit Naturheilkundlern, Astrologen und Handauflegern zu teilen hat. An dieser Stelle wird es Zeit, den Begriff AFFE einzuführen7.
Der älteste literarische Hauptföhner und AFFE dürfte jedoch Quintus Horatius Flaccus gewesen sein, bekannter unter dem Spitznamen „Horaz“, der in den Jahren um Christi Geburt nach einem strengen Winter „grata vice veris et favoni“ besungen hat, also die „gütige Wende des Frühlings und des Föhnwindes“.
Wobei wir gleich mit einem wunderschönen Föhn-Märchen aufräumen müssen: Der Münchner Föhn ist zwar der bekannteste, fürchterlichste, sagenumwobenste, Promi-schädigendste und natürlich auch der am meisten erforschte, aber reinrassiger Föhn weht auch in Grönland, Kalifornien, Argentinien, China, Neuseeland, Griechenland, Afghanistan, im Riesengebirge und eigentlich in allen deutschen Mittelgebirgen.8
Im Alpenbereich werden wie gesagt drei Arten von AFFEn unterschieden: der Vorföhner während der Föhn-Aufbauphase, der Hauptföhner während der Föhn seinem Höhepunkt zusteuert und der Nachföhner in der Abklingphase.
Wie so oft in der Natur sind die drei Phänotypen in ihrer Reinform selten und häufig nur als Mischform zu finden. Der Autor dieser Zeilen ist ein Vor- und Hauptföhner.
Die Symptome sind so vielseitig wie uneinheitlich. In der Literatur steht Kopfschmerz mit an erster Stelle. Bei mir tritt er in zwei von zehn Fällen auf. Das Hauptsymptom umfaßt eine allgemeine Verpeiltheit, die den Tag über kaum abklingt.9 Grundiert von einer manischen Nervosität als sei der Parasympathikus gespannt wie die G-Saite einer Violine10. Koffein wirkt stärker als an anderen Tagen, ohne jedoch den geringsten Einfluß auf den Fokus zu haben. Liest man sich aus Versehen in Büchern wie im DSM V11 fest, würde man Haus und Hof verwetten, ein festes Abo auf mindestens 20% der dort beschriebenen Psychodevianzen zu besitzen. Die Reihe der wirkmächtigen Pharmazeutika sind ebenso weitläufig und meistens nutzlos wie die Symptome individuell sind. Bei jemandem, der unter Kopfdruck leidet, könnte unter Umständen ein Migränemittel angesagt sein, was aber, wenn sich 80 Prozent der Symptome wie vorher beschrieben darstellen? Ritalin kann helfen, den Fokus wieder auf ein funktionsfähiges Maß zurückzugewinnen12, eine Überstimulation ist damit jedoch schnell erkauft. Man ist gezwungen, Strategien zu entwickeln, um den Tag hinter sich zu bringen. Nicht umsonst steigt bei Föhn gegenüber anderen Wetterlagen die Zahl der Suizidversuche und Einweisungen in psychiatrische Kliniken um 20 Prozent. Eine Zahl, die ich für nachvollziehbar halte, allerdings eher konservativ angesetzt sehe. Die Lebenserwartung von AFFEn scheint signifikant herabgesetzt.
Der Münchner Bio-Meteorologe Prof. Peter Höppe13 vermutet, dass geringe Luftdruckschwankungen bei Wetterwechsel unsere sogenannten Barorezeptoren beeinflussen – an der Gabelung der Halsschlagadern sitzende Sinneszellen -, die auf Druck reagieren und Blutdruck und Puls steuern. Unabhängig der Luftdruckschwankungen bauen sich in den Tiefdruckwirbeln, die vom Atlantik her unseren Breiten nahen, starke elektrische Spannungen auf. Sie führen zu unsichtbaren elektrischen Entladungen, den sogenannten Sferics. Diese „Dunkelblitze“14 eilen mit Geschwindigkeit der Schlechtwetterfront voraus und beeinflussen die menschlichen Gehirnströme.

Einschub: Kurzer aber dringend notwendiger Ausflug in die Meteorologie
(Kann Meinungsanteile enthalten)
Sferics sind elektromagnetische Entladungen, die ihren Ursprung nicht nur in weit entfernten Gewitterzellen, sondern auch in anderen metereologischen Vorgängen in der Troposphäre haben. Sferics sind dadurch gekennzeichnet, daß sie extrem kurz, meist zwischen 200µS und einigen mS, sind und in einem extrem breiten Spektrum auftreten. Auslöser sind überwiegend Blitze, die in Gewitterzellen auftreten, die mehr als 1000 km vom Empfänger entfernt sind und entlang der Magnetfeldlinien ausgebreitet werden. Blitz-Sferics, die in Mitteleuropa aufgenommen werden, entstehen in Gewitterzentren, die in Südeuropa und Afrika liegen. Ein Sferic weist seine höchste Amplitude im Frequenzbereich unter 10 kHz auf. Andere Sferics entstehen im Vorfeld großer Wetterzentren durch starke Luftmassenbewegungen, die die magnetischen Feldlinien beeinflussen. Diese Sferics weisen ein relatives Maximum um 20 kHz15 auf, sind größtenteils auf Frequenzen unter 40 kHz begrenzt und sind nur bis zu 200µS breit.
Erst seit relativ neuesten Messungen weiß man, daß im Vorfeld von Tornados Sferics durch die enormen Aufwinde entstehen, deren Maximum um 55 MHz liegt16. Hier liegt der Auslösungsmechanismus noch weitgehend im Dunklen.
Ebenfalls am Anfang ist die Forschung, ob Sferics einen Einfluß auf organisches Leben haben (Der Autor dieser Zeilen würde dies bejahen, wenn man ihn als organisches Leben betrachtete). Es gibt einige ernst zu nehmende Studien der Universität Giessen, die einen solchen Einfluß wahrscheinlich machen. Hierzu wurden Menschen, die von sich selbst behaupten wetterfühlig zu sein, zusammen mit anderen Probanden mithilfe von EEG’s untersucht. Hierbei wurde festgestellt, daß gerade bei den AFFEn eine Korrelation zwischen einer Veränderung der Alfa- und Beta-EEG Linie und der Häufung von Sferics beobachtet.
Hierzu schrieb die Almeda AG: „… Sferics: Sie lassen den Frosch klettern, was Körper und Seele dazu veranlasst, auf das Wetter gereizt zu reagieren, das ist Wissenschaftlern noch ein Rätsel. So können Mediziner wohl Reaktionen wie Narben- oder Amputationsschmerzen nachweisen. Auch der Föhn stellt eine Wettersituation dar, bei der es eindeutig zu gesundheitlichen Nachteilen kommt. Was aber diese Phänomene bewirkt, darüber herrscht noch Uneinigkeit.Wissenschaftler machen die unsichtbaren Wellen übrigens auch für die gesteigerte Aktivität von Tieren verantwortlich, z. B. die Betriebsamkeit von Bienen vor einem Gewitter. Sie vermuten, dass es Sferics sind, die den Wetterfrosch auf die Leiter steigen lassen. Der direkte Beweis, dass Sferics tatsächlich an Kopfweh, Kreislaufstörungen und Müdigkeit schuld sind, steht noch aus. Bis jetzt konnten Forscher an der Universität Gießen nur zeigen, dass die Gehirnströme von AFFEn auf den Einfluss von Sferics anders reagieren als die von NichtAFFEn.
Relativ neu am Meteorologenhimmel sind die sogenannten Sferics (abgeleitet von “atmospherics”). Das sind kurze elektromagnetische Impulse. Sie entstehen, wenn sich Luftmassen aneinander reiben und es zu elektrischen Entladungen kommt. Das passiert ständig, immer wenn kalte und warme Luft aufeinandertreffen. Vor Schlechtwetter- oder Schönwetterfronten und vor Gewittern häufen sich die Sferics. Dann eilen sie mit Lichtgeschwindigkeit dem eigentlichen Wettertreiben voraus und führen bei empfindlichen Personen zu den typischen Symptomen. Kommt es dann tatsächlich zu Regen, Sonnenschein, Blitz oder Donner, sind die Sferics schon lange verschwunden – und damit auch die Beschwerden. Das würde erklären, warum wetterfühlige Personen und insbesondere AFFEn einen Temperaturwechsel bereits Tage vorher fühlen können und schon wieder beschwerdefrei sind, wenn die Wetterlage dann eintrifft. (Hier irrt die Studie. Sferics sind bereits seit 1886 bekannt, wenngleich erste Entstehungsprozesse erst 1930 vermutet wurden. 1950 erschien in den Proc.I.E.E. ein Artikel, der sich sehr genau mit der Entstehung von Sferics auseinandersetzt. Neu ist nur, daß Sferics auch innerhalb von Tornados entstehen. )
In weiteren Studien konnte andererseits gezeigt werden, daß eine 10 Minuten dauernde Applikation von Sferics keinen Einfluß auf einfache Reaktionszeiten von Probanden hat.
Besonders die Universität Giessen beschäftigt sich mit der Wechselwirkung zwischen Sferics und dem Menschen. „…Sogenannte Sferics sind extrem schwache (nT-Bereich) und kurz andauernde (ca. 500 µs) elektromagnetische Impulse, die mit Wetteränderungen in Zusammenhang stehen und von etlichen Autoren als mögliche “Mitverursacher” wetterbezogener Beschwerden diskutiert werden. In verschiedenen Teilstudien wurden die Effekte dieser Signale auf den Menschen im Labor untersucht. Die bisherigen Befunde zeigen eine Veränderung des Spontan-EEG i.S. einer Erhöhung der Alpha-Power. Dieses Ergebnis ging insbesondere auf die Reaktion von Probanden zurück, die sich selbst als wetterfühlig (oder gar AFFEn) bezeichneten. Deren elektrokortikale Aktivität blieb zudem über den Zeitraum der Sfericsexposition hinaus gegenüber der Kontrollbedingung verändert.
Auch traten in einem explizit auf mögliche Befindensänderungen durch Sferics ausgerichteten Experiment keinerlei Effekte auf.
Derzeitige Projekte zielen auf die Eingrenzung der biologisch relevanten Sfericsparameter sowie die Untersuchung möglicher Einflüsse von Sferics auf die Aufmerksamkeit (attentive Performanz und evozierte Potentiale) ….“
Bereits 1954 untersuchte Reiter die Reaktionszeit von Probanden in Korrelation zur Sferic-Aktivität und vermutete einen unmittelbaren Zusammenhang mit Heranziehenden Gewittern. Allerdings muß hier angemerkt werden, daß sich Sferics mit Lichtgeschwindigeit ausbreiten, während Gewitterzellen eine relativ langsame Zuggeschwindigkeit aufweisen. Reiter untersuchte allerdings nicht näher den Zeitraum zwischen den Messungen und den Gewitterereignissen näher. Er kam zu dem Schluß, daß im Vorfeld von Gewittern die Konzentrationsfähigkeit abnimmt, während sie kurz vor dem Gewitter wieder Normalwerte erreicht. In einer späteren Untersuchung stellte er Vergleiche zwischen Tagen mit einer hohen Sferic-Rate und Betriebsunfällen, Herzinfakten und Todesfällen an und zeigte eine gewisse Signifikanz auf, die später weiter verifiziert wurde.
1984 durchgeführte Reihenuntersuchungen an Epileptikern zeigten eine Häufung von Anfällen an Tagen mit sehr vielen Sferics.

Bereits vor ca. 15 Jahren gab es Untersuchungen auf den Einfluß von Sferics und der Gerinnung und Ausbildung von Gelatine. Damals konnten die Autoren zeigen, daß besonders 1 bis 2 Tage vor einer Schlechtwetterfront Gerinnungsprobleme auftraten. Paralleluntersuchungen im Bereich um 16, 26 und 52 kHz zeigten, daß es Korrelationen zwischen der Sfericshäufung um 26 und 50 kHz und dem Verhalten von Gelatine gab.
Zahlreiche Wissenschaftler nehmen heute an, daß gerade das Verhalten von Tieren in direkter Korrelation zum Auftreten von Sferics und auch zu sehr niederfrequenten Signalen gibt. In einer Studie der NBC wurde aufgezeigt, daß es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Verhalten von Fröschen und der Häufung von Sferics (unterhalb von 12 kHz) zu geben scheint. Da besonders Tiere sehr empfänglich für kurze elektromagnetische Impulse im unteren kHz bis hinunter in den Hz Bereich sind, muß hier gemutmaßt werden, daß Organismen Zellen haben, die empfänglich für diese Strahlung sind.17
Bereits seit einigen Jahren weiß man, daß gerade im Vorfeld großer Erdbeben elektromagnetische Wellen zwischen 0.4 und 5 Hz entstehen. Man vermutet heute, daß das bereits seit Jahrhunderten dokumentiere Verhalten von Tieren vor Erdbeben unmittelbar damit zusammen hängt und vermutet, daß Tiere diese extrem langen Wellen empfangen können und darauf unmittelbar reagieren. Einer Gruppe von Wissenschaftler in Californien ist es gelungen, mit tief in die Erde eingelassenen Ferritantennen diese extrem langen elektromagnetischen Wellen nachzuweisen. Darüber hinaus wurde bei diesen Messungen festgestellt, daß etwas zeitversetzt auch Sferics im Frequenzbereich unter 4 kHz verstärkt auftreten. Ob zwischen diesen Sferics und den Erdbebenwellen ein mittelbarer Zusammenhang besteht, ist derzeit noch nicht hinreichend geklärt. Die Versuchung, sich dem verlockenden Umkehrschluß hinzugeben und Erdbeben durch Sferics auslösen zu lassen ist natürlich vollkommen unlogisch18.
Weder gegen die Sferics noch gegen schnellen Temperaturwechsel ist der Rückzug hinter die eigenen vier Wände eine geeignete Therapie – die Wellen durchdringen Beton und Mauer mühelos. Mit anderen Worten, dem Föhn kann man nicht entkommen und anstelle des gleißend blauen Himmels bleibt nur der Wunsch nach Regen.
Oder wie der Autor Herbert Rosendorfer schrieb: „Der Föhn ist gewissermaßen der Stachel, an dem er, wenn er ihn spürt, merkt, dass er lebt.“ Der Föhn, ein Kulturgut.
Was wirklich dran ist an dieser spezifischen Wetterfühligkeit, haben Wissenschaftler in vielen Studien zu ergründen versucht. Jürgen Kleinschmidt, Professor an der Münchner Universität, hat beispielsweise 1000 selbst ernannte Föhnopfer untersucht und keinen Zusammenhang feststellen können zwischen dem Wind und ihren Kopfschmerzen. Andere finden Erklärungen, die von Fremdgasen in der Atmosphäre bis zu Änderungen des luftelektrischen Feldes reichen.
Der Atmosphärenphysiker Hans Richner von der ETH Zürich beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Phänomen. Jegliche Ergebnisse, sagt er, hingen nicht kausal zusammen, sondern seien Scheinkorrelationen. Natürlich würde es durch den Föhn plötzlich trocken und warm, das mache einige Menschen müde und möglicherweise auch gereizt. Wer ohnehin schon einen niedrigen Blutdruck habe, der könnte davon betroffen sein. Meist fühlten sich Menschen bei gutem Wetter jedoch einfach besser als bei schlechtem. Mediziner raten dazu, Wetterfühligkeit abzutrainieren, mit Kneippkuren und Saunagängen und ein wenig Ausdauersport19.
Im Vergleich zu seinen luftigen Verwandten weltweit ist der Föhn zwar eher harmlos. Ein wenig echten Schaden hat er aber doch angerichtet: In manch einem Schweizer Alpental bringt er’s auf Orkanstärke mit Böen von 190 Kilometern pro Stunde. Der trockenen Luft sind außerdem verheerende Dorfbrände geschuldet. 1890 zerstörte ein solches Feuer im Schweizer Oberriet 294 Häuser. Er wird hier deshalb auch „Hexenwind“ genannt.
Bei manchen erzeugt der Föhn euphorische Gefühle.
Dabei ist der Föhn nicht nur Täter, sondern auch Wohltäter. Er beschert unerwartet goldenes Herbstwetter, innerhalb von 24 Stunden können die Temperaturen um mehr als zehn Grad steigen, er vertreibt hässliche Wolken, rückt Berge optisch heran (Herbert Rosendorfer schreibt, man könne „von den Frauentürmen das Weiße in den Augen der Watzmann-Gemsen sehen“.20 ) Der Föhn zaubert den Himmel himmelblau, trocknet Wäsche im Nu, verwöhnt empfindliche Weinreben. In der Schweiz heißt der Wind daher auch Traubenkocher oder Maisvergolder.
Der Münchner Föhn und der Föhn in den Alpen sind wie oben bereits geschrieben nicht die einzigen Föhnwinde dieser Welt, Föhn entsteht unter ähnlichen Windverhältnissen in vielen Gebirgsgegenden. Heftig und häufig weht auf der polnischen Seite des Riesengebirges der „Moazagotl“, aber auch im Sauerland, Odenwald, Erzgebirge und im Schwarzwald sind Föhnlagen nicht selten.
Hier ein kurzer Auszug über weltweite Föhnphänomene (unvollständig).
- In Südfrankreich weht der „Aspre“, ein föhnig trockener Ostwind on die Garonne-Ebene, der auch „Lou Cantalié“ genannt wird, nach der Landschaft im Zentralmassiv. In den Pyrenäen heißt der Föhn „Autan“, und wenn er den Himmel besonders wolkenlos geputzt hat „Autan blanc“.
- Der „Livas“ ist in Griechenland ein föhniger Fallwind, der vom Pindos in die Thessalische Ebene herabweht. Der „Megas“ ein Südwest-Föhn in Böotien21.
- In Südafrika bezeichnet man mit dem deutschen Namen „Berg Wind“ (in zwei Wörtern geschrieben) einen trockenheißen Föhn, der von der südafrikanischen Hocheben in die Küsten-ebene weht.
- Ein meteorologisches Phänomen der besonderen Art ist der Grönlandföhn in den westgrönländischen Fjorden, bei dem die Temperatur bis zu 15 Grad ansteigen kann und der große Eismassen zum Schmelzen bringt.
- In Sumatra nennt man den Föhn im Karo-Plateau „Bohorok“, ein trockener Fallwind im Südost-Passat.
- Der Föhn in Nordamerika heißt „Chinook“ und ist ein warmer Fallwind an der Ostseite der Rocky Mountains, der von Colorado bis nach Kanada wehen kann. Da die Rocky Mountains höher sind als die Alpen, ist er noch trockener und wärmer als unser Münchner Föhn. Temperaturanstiege bis zu 30 Grad sind beim Chinook keine Seltenheit.
- Eine berüchtigte Föhnlage in Südkalifornien sind die „Santa-Ana-Winde“ zwischen der Sierra Nevada und den Rockys mit den schönen Namen „Teufelswinde“ und „Teufelshauch“.
- Ein bekannter Föhn in Argentinien ist der „Zonda“ an der Ostseite der Anden. Und an der Ostküste von Neuseeland weht der „Canterbury Northwester“, eine Föhnerscheinung mit einem breiten Wolkenstreifen, die von den Einheimischen auch „Maori parera“ genannt wird.
- In Mexiko bläst in Guayaquil der „Chanduy“, ein reinrassiger Föhn, der hauptsächlich von Juni bis November auftritt.
- Auch die „Bora“ in Kroatien kann als Föhn bezeichnet werden. Die kalte Luft über den Karsttälern Kroatiens stürzt dann als Fallwind durch die Gassen der Karstgebirge herunter. Trotz der föhntypischen Erwärmung beim Herunterwehen wird der Wind als kalt empfunden.
- Auch in Japan föhnt es heftig, der „Mikuni-Oroshi“, der „Fallwind von Mikunitoge“ ist ein West-Föhn an der Ostküste.
- „Afghan“ heißt ein heißer, kontinentaler Wind aus den Steppen Turkmenistans, der nach Afghanistan zieht und starke Staubstürme mit sich führt. Beim Aufstieg an den iranisch-afghanischen Gebirgen kühlt er ab und erwärmt sich dann wieder auf seinem Weg in den Süden, wo er Höchsttemperaturen von über 50 Grad erreichen kann.
Ein häufig zu beobachtende Eigenschaft des Föhns ist, daß Leute, die in ein Föhngebiet gezogen sind, anfangs überhaupt keine Symptome zeigen und sich erst über Jahre hinweg zum AFFEn entwickeln. Bei den AFFEn hingegen werden die Symptome zunehmend schlimmer. Ein Phänomen wie bei der Pollenallergie, die im Alter nachläßt oder gänzlich verschwinden kann, sucht man bei der Föhnempfindlichkeit vergebens. Warum nicht einfach fortziehen? Von außen betrachtet eine berechtigte Frage und so schreiend offensichtlich, daß es Nicht-AFFEn22 schon weh tut. Aber viele AFFEn verhalten sich wie der Frosch im Kochtopf, wenn das Wasser stetig wärmer und ein Ausstieg schließlich unmöglich wird. In ihrer matten Vigilanz reihen sie sich ein in die Kaputtniks, die das Leben nur halbwegs geräuschlos und ohne weitere Anstrengung hinter sich bringen wollen23.
Interessant ist, daß das Wort Föhn in der englischen Wissenschaftsliteratur nicht transkribiert wird und sogar mit seinen Umlauten auftaucht. Als habe das Phänomen sowohl meteorologisch als auch physiologisch im deutschsprachigen Raum seinen Ursprung, was nicht der Fall ist, wie Sie der umfangreichen Liste der weltweiten Föhnerscheinungen im Anhang entnehmen können.24 Meteorologisch gibt es stärkere Föhne als die im alpinen Raum (siehe Chinook), aber es drängt sich der Verdacht auf, daß der physiologische Einfluß auf die Kultur hier dringender wahrgenommen wurde. Vielleicht sind die anderen Föhne körperlich leichter wegzustecken und nur der Alpenföhn arbeitet so nachhaltig subversiv gegen Körper und Psyche. Die letzte aussagekräftige Studie hierzu liegt bereits über zehn Jahre zurück. Als AFFE bleibt nur zu sagen, Zeit für eine neue.
Bonus-Anhang: umfängliche Liste25 der Föhnwinde in unterschiedlichen Regionen der Erde geeignet zur prophylaktischen Urlaubs- oder Wohnortplanung von AFFEn
Das Phänomen des Föhns, wie er in den Europäischen Alpen auftritt, ist wie gesagt nicht einmalig. Auf der ganzen Erde werden Fallwinde mit ähnlichen Auswirkungen (Temperaturzunahme, Feuchteabnahme, etc.) beobachtet. Eine Sammlung dieser Föhnwinde ist hier aufgeführt. Wenn nicht anders vermerkt, stammt die Beschreibung aus Schamp (1964).
Die Gewähr auf Vollständigkeit der Liste kann nicht geliefert werden, denn überall, wo sich Gebirge befinden, können Föhnwinde auftreten und jedes Gebiet kennt dafür lokale Namen. Es existieren also mit Sicherheit weitere, dem Autor nicht bekannte Namen.
Aperwind Alpen
Frühjahrsföhn insbesondere der Schweizer Alpen, der den Schnee zum Schmelzen bringt und die Hänge schneefrei (aper, von lat.: apertus = offen) macht.
Aspre Westhang des Zentralmassivs, Südfrankreich
Föhnig trockene und erwärmte, in die Garonneebene vom Zentralmassiv herabwehende Ostwinde, auch „lou Cantalié” nach der Landschaft im Zentralmassiv genannt.
Austru Rumänien, Walachei
Nach Überquerung des Balkan-Gebirges und der Transsylvanischen Alpen föhnig trockener West- bis Südwestwind, der zur Zeit seines stärksten Auftretens in den Wintermonaten infolge des Aufklarens durch die föhnige Wolkenauflösung häufig strenge Strahlungsfröste zur Folge hat.
Autan Südfrankreich
Nach Überschreiten der Cevennen und der Pyrenäen föhnig trockener und warmer Fallwind aus südöstlicher bis östlicher Richtung; bei besonders heftigem Auftreten und bei wolkenlosem Himmel auch „Autan blanc” genannt, der sich oft bis zur atlantischen Küste südlich der Gironde erstreckt. Wenn von einem Tief über der Biskaya hervorgerufen, folgt dem föhnigen Autan bei Weiterziehen der Depression oft Regen, dann wird er als „Autan noir bezeichnet.
Berg Wind Südafrika
Das deutsche Wort Bergwind, allerdings meist in zwei Worten geschrieben, bezeichnet hier jedoch einen trockenheissen, föhnartigen östlichen Wind, der von den südafrikanischen Hochebenen in die Küstenebene, besonders Südwest-Afrikas, im Südwinter herabweht.
Bohorok Ost-Sumatra
(auch Bokorot) Trockener, vom Karo-Plateau herabwehender Fallwind, in den Ebenen Nordost-Sumatras, föhnig erwärmter Südost-Passat.
Boulder Boulder, USA
Windstorm So bezeichnen die Einwohner von Boulder den Chinook.
Bregenzer Bregenzer Bucht
Fallwind Wird auch Ostföhn, falscher Föhn (da nicht wie gewohnt aus Süden, sondern aus Osten wehend) oder Pfänderwind genannt.
Ein über Gebhardsberg und Pfänder herabwehender Ost- bis Nordostwind, der sich föhnartig erwärmt, sodass bei gleicher Wetterlage Bregenz höhere Temperaturen als das benachbarte Lindau aufweisen kann, kommt am häufigsten im Frühjahr bei nordöstlicher Luftströmung vor.
Broebroe Sulawesi (Celebes), Indonesien
(auch Brubru) Böiger, föhnig erwärmter Ostwind, Teil des nordsommerlichen Ostmonsuns bei Makassar an der Westküste der Insel.
Cape Doctor Kapstadt
Ein besonders in den Sommermonaten von der False-Bay her über Kapstadt in die Tafelbai wehender oft sehr stürmischer Südostwind, der als maritime Kaltluftströmung, trotz föhniger Erwärmung, zur Reinigung der Luft über Kapstadt und zur Erfrischung der Bewohner der Stadt beiträgt. In der Literatur auch fälschlich als Euryclydon erwähnt, der jedoch ein Fallwind an der Südküste Kretas ist.
Chinook Rocky Mountains, USA
Der Name wird in den Küstenregionen von Oregon und Washington für einen warmen, feuchten ozeanischen Südwestwind, der über das Stammesgebiet der Chinook-Indianer weht, gebraucht. Er bezeichnet weiterhin einen warmen trockenen Fallwind der Ostseite der Rocky Mountains, der aus dem oben genannten Westwind entsprechend dem Alpenföhn durch Überschreiten der Gebirgskette entsteht und im Frühjahr und selbst im Winter zu rascher Schneeschmelze führt. Meteorologisch wird heute nur dieser föhnartige Wind als Chinook bezeichnet.
Beim Chinook handelt es sich um den bekanntesten Föhnwind neben dem Föhn der Alpen. Deswegen werden hier die Hauptunterschiede dieser Fallwinde aufgeführt, welche Hoinka (1990) zusammengetragen hat.
Die Rocky Mountains bilden eine Nord—Süd-Barriere, während die Alpen in Ost-West-Richtung liegen. Der Chinook entsteht also bei zonaler und der Föhn bei meri-dionaler Strömung. Beide Gebiete, über denen diese Winde auftreten, befinden sich im Bereich des Westwindgürtels. Ebendarum treten pro Jahr mehr Chinook-fälle als Föhnereignisse auf. Die Werte der meteorologischen Parameter wie Temperaturänderung, Minimum der relativen Feuchte, maximale Windgeschwindigkeiten und Böigkeit des Windes sind beim Chinook deutlich grösser als beim Föhn.
Der Chinook ist warm bei südwestlicher und kalt bei nordwestlicher Anströmung der Rocky Mountains (Brinkmann 1973). Der Föhn hingegen ist immer mit einer Temperaturzunahme verbunden.
Die grosse Trockenheit des Chinook ist darauf zurückzuführen, dass sich die Atmosphäre an den nordamerikanischen Küstengebirgen durch Stau ausregnet, sodass im Bereich der Kammlinie der Rocky Mountains die Atmosphäre viel trockener ist als die Luft über der Kammlinie der Alpen bei vergleichbarer Strömungskonfiguration. Weiter ist auch das Höhenniveau, auf dem der Föhn (-500 m.ü.M.) und Chinook (-1700 m.ü.M.) weht, unterschiedlich, wodurch ebenfalls ein Feuchteunterschied erklärt werden kann.
Der Unterschied der Orografie muss auch in Betracht gezogen werden. Die von den Alpen beeinflussten Strömungen besitzen einen deutlich dreidimensionalen Charakter (Vergeiner, 1976). Denn die Alpen bestehen aus einer Vielzahl einzelner Gebirgsketten und tiefen Tälern, die teilweise über tief eingeschnittene Pässe miteinander verbunden sind. Dazu kommt noch die Nachbarschaft der Pyrenäen, der Apenninen und der Dinarischen Alpen. Durch die geringe Ausdehnung können die Alpen umströmt werden. Die Form des amerikanischen Zentralgebirges lässt vermuten, dass diese Topographie für numerische und theoretische Überlegungen durch eine zweidimensionale Barriere angenähert werden kann.
Obwohl der Chinook an den Rocky Mountains viel kräftiger ist als der alpine Föhn, ist dennoch der Schadensumfang bei Föhn deutlich grösser. Dies liegt daran, dass die Schadenshöhen nur begrenzt vergleichbar sind, da Stürme in dicht besiedelten Gebieten mehr Schaden anrichten können, als Stürme über dünnbesiedeltem Gebiet.
Eifelföhn Eifel
Beim Eifelföhn handelt es sich um Absinkeffekte am Nordostrand der Eifel. Der föhnartige Süd- bis Südwestwind stellt sich meist auf der Vorderseite eines von Westeuropa heranziehenden Tiefs ein. Während die Warmfront im Südwesten Deutschlands verbreitet für Niederschläge sorgt, bleibt es am Nordostrand der Eifel – von der Aachener Bucht bis nach Bonn mehrheitlich trocken, mit vielen Wolkenauflockerungen. Zudem zeigt das Thermometer oft ein paar Grad mehr an als im Stau der Gebirge. Der Eifelföhn ist nicht so stark ausgeprägt wie der Alpenföhn, aber ein Beispiel für ein lokales Windsystem, das durch orographische Bedingungen entsteht. Es macht sich auch hier ein Lee-Effekt bemerkbar, wenn sich die Regen- oder Schneewolken am Südrand der Eifel stauen. Die Eifel ist maximal 747 Meter hoch. Im Winter bleiben in der Region Bonn häufig Schneefälle aus. In Bonn gibt es jährlich knapp 100 Millimeter weniger Niederschlag als in etwas nördlich gelegeneren Gegenden. Auch der Raum Euskirchen gilt als ungewöhnlich trocken im Vergleich zu den regenreichen Regionen der Eifel, des Siegerlandes und des Bergischen Landes.
Gending Java
Zur Zeit des Südostmonsuns (Nordsommer) auftretende föhnartige Winde in den nördlichen Ebenen Javas.
Ghibli Lybien
Besonders im Frühjahr auf der Vorderseite kräftiger Mittelmeerdepressionen aus den schon heissen Wüsten Nordafrikas wehender Staubsturm, der besonders dort, wo er über Randgebirge absteigt, noch zusätzliche föhnige Erwärmung erfährt. Auch freier Föhn über der Sahara wird für seine hohen Temperaturen verantwortlich gemacht.
Grosser Wind lnnerasien
Föhnartiger Nordost-Wind an der Südwestseite des Alatau.
Guggiföhn Schweiz
Der Guggiföhn tritt im Berner Oberland im Lauberhorn-Gebiet auf.
Halny Wiatr Polen
(AMS 1959) Dieser Wind bläst normalerweise Anfang Frühling von Süden in der Hohen Tatra.
Helm Wind Nord-England
Kräftiger, föhnartiger Fallwind vom Cross Fell, der durch eine Wolkenkappe über den Berggipfeln gekennzeichnet ist.
Himmelsbesen Palma de Mallorca
Trockener, föhnartiger Wind aus NW, der das Randgebirge übersteigt.
Hot Winds Nordamerika, insbesondere Great Plains
Neben den allgemeinen Hitzewellen (hot waves) werden insbesondere auch föhnartig (freier Föhn) erwärmte Winde der Plains so bezeichnet.
West-China
Ein lokaler, starker Wind, welcher durch das Dzungarische Tor, eine Lücke in den Bergen, weht. Der Wind ist dem Föhn ähnlich und verursacht einen jähen Anstieg der Temperatur.
Jauk Klagenfurter Becken
Name des von den Karawanken herabwehenden Südföhns.
Kâchchan Sri Lanka
(Thambyahpillay Dieser Föhnwind tritt während des SW-Monsuns in den östlich
1958) gelegenen Küstengebieten von Sri Lanka auf. Die tamilisch sprechende Bevölkerung nennt ihn „solaha-kächchan”, den trockenen, brennenden Monsun.
Kumbang Java
(auch Koembang) Trockener, nach Überschreiten der Pembarisan-Berge föhnartig erwärmter Südostwind bei Tjiriban und Tegal an der mitteljavanischen Nordküste zur Zeit des Südostmonsuns (Nordsommer).
Lenzbote Alpenländer
Name des schneeschmelzenden Frühjahrsföhns.
Levanto Kanarische Inseln
Ostwind auf den Kanarischen Inseln, besonders ein aus dem Orotavatal auf Teneriffa wehender, föhnig erwärmter Wind.
Livas Griechenland
Ursprünglich vom antiken Lips, dem warmen, aus Richtung Libyen wehenden Südwestwind abgeleiteter Name, als solcher heute auch Garbis genannt. Mit Livas (Mehrzahl: Lives) bezeichnet man heute aber auch jeden föhnig erwärmten Fallwind, so den im Mai oft vom Pindos in die Thessalische Ebene herabwehenden Westwind.
Ljuka Kärnten
Einheimischer Name für den Föhn, wohl vom slowenischen Wort „jug” (Südwind) abzuleiten.
Llebetg (auch Llebetjado) Roussillon, Ost-Pyrenäen
Arabischer bzw. katalanischer Name eines föhnartig erwärmten Südwestwindes in der Landschaft Roussillon am Nordhang der Ost-Pyrenäen.
Megas Griechenland
Ein vom Parnass nach Böotien, besonders in die Ebene des trockengelegten Kopaissees herabwehender, föhnig erwärmter Südwestwind.
Mikuni-Oroshi Japan
Der “Fallwind von Mikunitoge” genannte Wind ist ein bei Durchzug eines Tiefs an der Ostküste ins Tone-Tal bei Maebaschi herabwehender W- bis NW-Föhn.
Riesengebirge
Moazagotl (Küttner 1983) Riesengebirge
Eigentlich handelt es sich hier um eine Wolke. Diese entsteht bei Zyklonalföhn (präfrontales Stadium). Durch diesen tritt einerseits eine Steigerung der Niveaudifferenz und andererseits eine Feuchte-Anreicherung in der Höhe ein, die die Wellenberge durch Kondensation sichtbar werden lassen und auf diese Weise das Moazagotl erscheinen lässt.
Der Name „Moazagotl” ist folgendermassen zu erklären: Ursprünglich sagte man im schlesischen Dialekt „Moazagotl’s Waterwulke”, das heisst aller Wahrscheinlichkeit nach „Matz-Gottliebs Wetterwolke”. Ein wetterkundiger Landwirt, namens Gottlieb Matz, prophezeite beim Auftreten dieser Wolke am Riesengebirge für die nächsten 24 Stunden schlechtes Wetter.
Montana Monsoon Montana, USA
Volkstümlicher Name des Chinook in der Prärie Montanas.
Norder, Norther oder auch Nortes Golf von Mexiko, Mittelamerika
Auf der Rückseite einer sich von einem ostwärts abziehenden Tief über Nordamerika bis zu den tropischen Mallungen erstreckenden Tiefdruckrinne vorstossende, oft stürmische Kaltlufteinbrüche, die in der Zeit vom November bis April am häufigsten auftreten. Kennzeichnend für eine typische Nordwetterlage ist ein westlich der Tiefdruckrinne von Texas nach Mittelamerika ausgreifender Hochdruckrücken, an dessen Südostseite die Norder auch den Isthmus von Tehuantepec überschreiten, wobei im Stau Bewölkung und Niederschlag, im Lee der pazifischen Seite föhnige Aufheiterung auftreten.
Northwester Neuseeland
(auch Canterbury Nordwestwinde, die nach Abregnen an der Westseite der
Northwester) neuseeländischen Alpen als föhnig erwärmte, trockene Fallwinde die Ebene von Canterbury auf der Südinsel erreichen.
Pacific Wind Colorado, USA
Name des Föhns in Colorado.
Pfänderwind Bregenzer Bucht
Ostwind bei antizyklonaler Wetterlage mit starkem Gradienten, der vom 700 m über den Bodensee ragenden Pfänder föhnartig herabstürzt; da er aus ungewohnter östlicher Richtung kommt, wird er auch als “Falscher Föhn” bezeichnet, obwohl er sich thermodynamisch durchaus föhnartig verhält (siehe auch Bregenzer Fallwind).
Puelche Anden
Warmer Fallwind in Südchile, auch für den nächtlichen Landwind (sonst Terrai) gebraucht.
Rotenturmwind Siebenbürgen
Föhnartiger südlicher Wind bei Hermannstadt, der von den Südkarpaten (Rotenturmpass) ins Siebenbürger Becken weht, nach dem Ort Nagy-Talmacs oberhalb Hermannstadt auch Talmescher Wind genannt.
Santa Ana Kalifornien
Bezeichnung für den im Los Angeles Basin, besonders im Winter auftretende, NE-Föhnwind, nach dem Fluss und Pass gleichen Namens benannt.
Solano Spanien
Föhnartiger südlicher bis südöstlicher Wind; manchmal wird auch der sommerliche Ostwind, der vom Mittelmeer monsunartig ins östliche Spanien weht und hier zu sommerlichen Regenfällen führt, mit Solano bezeichnet.
Talmescher Wind siehe Rotenturmwind
Tenggara Speimonde-Archipel bei Sulawesi (Celebes)
Trockene, föhnartige Winde zur Zeit des Ostmonsuns im Lee der Südhalbinsel von Sulawesi.
Toureillo Dept. Arriège, Südfrankreich
Föhnartiger, durchs Tal der Ariège und von den Pyrenäen he-rabwehender Südwind, der besonders im Frühjahr und Herbst
auftritt. Wie dem Föhn werden auch dem Toureillo physiologische Wirkungen auf Mensch und Tier zugeschrieben.
Tsiknias Ägäisches Meer
Oft in böigen Stössen die steilen Südseiten der Inseln des Ägäischen Meeres zur Zeit der sommerlichen Herrschaft der Etesien herabfahrender Fallwind. Der Name wird vorwiegend auf Tinos gebraucht.
Türkenwind Nordtirol
Name des Föhn, da dieser das Reifen des hier Türkenkorn genannten Mais beschleunigt.
Vent d’Espagne Südfrankreich
Warmer föhnartiger West- bis Südwestwind, von den Pyrenäen her, wenn auf deren Nordseite Depressionen heranziehen.
Wambraw Neuguinea
(auch Wambru) Warmer, trockener Fallwind aus Südwesten über der Geel-vink-Bay in Nordwest-Neuguinea zur Zeit des nordsommerlichen Südostmonsuns.
Wasatch Utah, USA
Talwinde der Canyons der Wasatch-Berge. Whiteman (2000) bezeichnet diesen Wind als östlichen Chinook.
Zephyr Colorado, USA
Weiterer Name für den Chinook.
Zonda Argentinien
Nord- bis nordwestlicher warmer und trockener Fallwind von den Anden herab; nach dem Ort Zonda benannt. Auf der Puna, dem Andenhochland, sind diese winterlichen Nordwinde jedoch durch ausserordentliche Kälte berüchtigt.
- Der übrigens Vorföhner war, aber dazu später ↩︎
- Was sich auch mit meinen laienhaften Erfahrungen deckt, aber bis dato eines wissenschaftlichen Beweises entbehrte. ↩︎
- Ein oder zwei Jahre nach diesen Gedichten hat sich Trakl in einem Krakauer Militärhospital 1914 mit einer Überdosis Kokain getötet. Sicher, er hatte noch weitere, schwer wiegende Probleme als nur den Föhn, aber dieser war ein mit Sicherheit ein nicht unbedeutender Mosaikstein in Trakls multimorbidem Universum. ↩︎
- Für Interessierte ein kurzer Abriß über die literarischen Aufschreie berühmter Föhngeschädigter mit Föhn-Gstanzln, Jodlern und -Essays wie „Der Föhn und die Nerven“ oder „Das süße Föhnfieber“ von Hermann Hesse bis zu expressionistischen Gedichten wie dem von Paul Celan mit dem romantisch und heutzutage vermutlich übergriffig anbiedernden Titel: „Föhniges Du“. ↩︎
- Medizinisch fällt diese unter die Meteoropathie, die Überempfindlichkeit gegenüber Wettereinflüssen. Das Gute dabei: gibt es auf Partys oder langweiligen Geschäftsessen einen entwaffnenderen Smalltalk Opener als „Na, sind Sie auch Meteoropath“? ↩︎
- Streng genommen müßte die Zahl lauten: 1701 Probanden. Ich wohnte seinerzeit unweit der Arcisstraße entferrnt und kann mich noch gut an einzelne Effekte erinnern, welche die einer offenbar undichten Föhnkammer entschlüpfenden Sferics* anrichteten während sie marodierend durch meine Nachbarschaft zogen.
* Zu den Sferics gleich mehr. ↩︎ - AFFE, der (koll.) eine Verbildlichung des Zustandes akuter Föhnitis, wenn einem der Affe im Kopf rumsteigt und man sich schließlich ebenso benimmt und dann aufgrund kognitiver Beeinträchtigungen in seiner ganzen Verpeiltheit von seinem Umfeld so bezeichnet wird. Verzweifelt übermäßiger Konsum von beispielsweise Kaffe, um den Zustand in den Griff zu bekommen, kann alles nur verschlimmern und man gibt sozusagen dem Affen Zucker. AFFE ist ein Akronym abgeleitet von Alpen-Föhnsensibelchen-ohne-Fundierte-Evidenz. Das klingt konstruiert, ist aber semantisch unschlagbar. ↩︎
- Wissenschaftlicher Fun Fact:
AFFEn sollten besser nicht auf die Ostseite der Rocky Mountains im Norden der USA ziehen. Denn hier weht der Chinook, ein Föhnwind, der häufiger, konstanter und heftiger bläst als der hiesige aus den Alpen. Das zeigt sich exemplarisch am kleinen Städtchen Spearfish in South Dakota: Nirgendwo sonst maß man bis heute einen ähnlich schnellen Temperaturanstieg wie am 22. Januar 1943 um 7.30 Uhr, als die Quecksilbersäulen der Thermometer innerhalb von nur zwei Minuten von minus 20 auf 8,3 Grad Celsius in die Höhe schossen. Nach einer Stunde brach die Föhnböe zusammen und die Quecksilbersäule fiel wieder auf -20C. Dies alles spielte sich sage und schreibe innerhalb weniger Stunden ab. ↩︎ - Jemand hält Ihnen mitten in der Nacht eine Luftdruckhupe ans Ohr und betätigt diese. Nun stellen Sie sich den duseligen und unbarmherzigen Nichtspeilerzustand vor, den Sie in den folgenden Sekunden nach dem Aufwachen haben werden. Und nicht nur für ein paar Sekunden, sondern für gewöhnlich einen ganzen Tag lang. Willkommen im Alltag eines AFFEn. ↩︎
- (Eines der dominanten Symptome des Vorföhnstadiums, das u.A. Schlaflosigkeit zeitigt und auch während der Hauptföhnböe nie ganz von der Verpeiltheit verdrängt werden kann. Das Vorföhnen ist wie Vorhofflimmern – man weiß, das Schlimmste kommt noch.) ↩︎
- Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. Die Bibel der Psychiater, mindestens jedoch das Neue Testament. ↩︎
- Damit ist gemeint wieder produktiv im Sinne der Arbeitswelt zu sein. Auf soziale Standardsituationen wie „Wie war Ihr Name noch mal?“ ohne Umschweife und im Brustton der Überzeugung antworten zu können. Für einen Nicht-AFFEn eine lächerliche Selbstverständlichkeit, für einen AFFEn unter dem Bombardement unablässig knatternder Sferics entspricht dies seiner kognitiven und erschöpfenden Tageshöchstleistung.
SEMISUBJEKTIVE ANMERKUNG
Wahrnehmungleistungen wie das Überqueren einer Ampel mit viel entgegenkommenden Fußgängern oder das Kreuzen einer vollen Fußgängerzone haben es an solchen Tagen in sich. Das unbewußte Kontaktaufnehmen der Entgegenkommenden mit den Augen, das blitzschnelle Schließen eines Vertrages, auf welche Seite der jeweilige ausweicht, um so nach und nach durch den Menschenstrom zu gleiten kollabiert hier völlig. Bereits nach wenigen Metern ist man im Gewimmel unzählige Male kollidiert und recht schnell als hoffnungslose Flitzpiepe enttarnt. ↩︎ - Ein Wissenschaftler, auf den ich als Betroffener in den letzten Jahrzehnten alle Hoffnung gesetzt hatte, der sich aber von der Forschung inzwischen leider abgewandt hat (siehe weiter unten). Ein Mensch, der Eins wurde mit seiner Leidenschaft, der Blick verbindlich wie das Auge eine Zyklons und bemerkenswert bleibt sein Schnäuzer, so hell, daß er kaum von der Oberlippe kontrastiert und beim genaueren Hinsehen unter der Nase oszilliert wie ein Elmsfeuer. ↩︎
- Die Sferics-Theorie ist derzeit in der Wissenschaft, insbesondere der Forschung von Peter Höppe wieder auf dem absteigendem Ast. Simulationen im Labor an unzähligen Studenten zeitigten zwar Veränderungen im EEG nicht jedoch im Befinden. Leider hat sich Herr Höppe aus der AFFEn-Forschung zurückgezogen und er leitet seit 2005 die Abteilung GeoRisikoForschung der Munich Re. Wieder ein Jedi Ritter weniger im Kampf gegen die dunkle Seite der Macht. ↩︎
- Auf dieser Frequenz werden Funkuhren kalibriert. (Unwissenschaftliche Anm. d. Verf.: Wenn Sie sich also plötzlich sehr fremdgetaktet fühlen …) ↩︎
- Nur knapp unterhalb der Sendefrequenz des hessischen hr1. (Unwissenschaftliche Anm. d. Verf.: Wenn Ihr innerer Monolog plötzlich und ohne Not abgleitet ins Schwatzhafte …) ↩︎
- Eine Erkenntnis, die jeder AFFE blind unterschreiben würde. ↩︎
- Obwohl ein AFFE an einem Kristallföhntag dies ohne zu Zögern mit Blut unterschreiben würde. ↩︎
- (Echt jetzt?) ↩︎
- Und mit ein wenig synästhetischer Begabung sogar riechen. (Anm. d. Verf.) ↩︎
- Damit Sie nicht in dieselbe Falle tappen wie ich und den sprechenden Landschaftsnamen vorschnell ableiten von die „Böe“ und somit Böotien kurzerhand als ein vermeintlich besonders vom Föhnwind gebeuteltes Land einordnen: In der griechischen Antike bedeutete (vor allem bei den Athenern) „böotisch“ so viel wie ‚ländlich grob, ungebildet‘; die Griechen nannten die Böotier bisweilen gar „böotische Schweine“.
In Deutschland vergleichbar mit Niederbayern. ↩︎ - Die nicht selten in einer zermürbenden Co-Abhängigkeit mit einem AFFEn leben. (Anm. d. Verf.) ↩︎
- Und in diesem Zustand ist wirklich alles anstrengend. ↩︎
- Im Zuge der Recherchen über den Föhn war ich zunehmend erstaunt darüber, mit welcher Selbstverständlichkeit er über den Globus metastasiert. Schließlich fragte ich mich, ob es am Ende keinen Ort mehr geben würde, an dem man vor ihm sicher ist. Aber machen Sie sich auf der nächsten Seite selbst ein Bild von der Lage der Welt. ↩︎
- Nach dem derzeitigen Stand der meteorologischen Forschung. ↩︎


