Ich kam sehr jung in einer sehr alten Zeit zur Welt.

Bekannt war Satie als eigenwilliger und gleichzeitig dem Publikum wohlgesonnener Musiker. Die Zeit seiner Zuhörer unnötig in Anspruch zu nehmen, bereitete ihm körperliches Unwohlsein, mit derartigen Atavismen würde man sich heute in den politisch vielschichtigen Zeiten schnell dem Verdacht des Reaktionären aussetzen. Das schnelle Wort war seine Sache nicht. Eher das nicht erwartete, die leicht ver-rückten Vergleiche in seinen Spielanweisungen, „wie eine Nachtigall mit Zahnschmerzen“, zog er den italienischen  moderato, largo, allegro  usw vor und kleidete sie lieber in eigene Worte.

Öffnen Sie den Kopf!

Satie dachte nicht daran, vor den Titeln seiner Stücke halt zu machen. So entstanden: unappetitlicher Choral, Schlaffes Präludium für einen Hund, Quälereien, Bürokratische Sonatine, Drei Stücke in Form einer Birne.

Diese Eigenwilligkeit kultivierte er in seinem Privatleben. Im selben Jahr, in dem er nach Arcueil zog, kaufte er sich ein dutzend identische kastanienbraune Samtanzüge. Die Nachbarn, die ihn jeden Tag vorbeiflanieren sahen, nannten ihn den Gentleman in Samt.

Satie war ein Gourmet und richtete seinen ganzen Tagesablauf sorgsam auf das Abendessen aus. Manchmal war er hingegen ein Gourmand und Berichten zufolge vernichtete er einmal ein 30 Eier Omelette während einer einzigen Mahlzeit.

dutzend identische kastanienbraune Samtanzüge

Ideen notierte er nicht selten auf seinen Spaziergängen und pausierte unter Laternen wenn es zu dämmern begann. Während des Krieges wurden der Betrieb der Straßenlaternen eingestellt und Berichten zufolge brach Saties Produktivität daraufhin ein.